Warum summen Giraffen nachts?

Giraffen sind hochkarätige Tiere, aber sie werden normalerweise mehr gesehen als gehört. Sie sind nicht nur buchstäblich schwer zu übersehen, sondern auch bekanntermaßen ruhig. Abgesehen von verschiedenen Schnauben und Grunzen scheinen diese stattlichen Säugetiere meistens der starke, stille Typ zu sein.

Laut einer in BMC Research Notes veröffentlichten Studie müssen wir jedoch möglicherweise genauer hinhören. Ein Team von Biologen hat in drei nachts summenden Zoos Giraffen aufgenommen, eine Vokalisierung, die sie als "reich an harmonischen Strukturen, mit einem tiefen und anhaltenden Klang" beschreiben.

Zuvor war vorgeschlagen worden, dass Giraffen nicht vokalisieren, weil sie nicht genug Luftstrom in ihren 6-Fuß-Hälsen erzeugen können. Wissenschaftler hatten auch den Verdacht, dass die Tiere Infraschallgeräusche erzeugen, die für Menschen unhörbar sind, wie es Elefanten tun, trotz nicht schlüssiger Beweise. Um diese Idee zu testen, nahmen Biologen der Universität Wien und des Tierparks Berlin in drei europäischen Zoos mehr als 900 Stunden Audio von Giraffen auf und durchsuchten die Daten nach Anzeichen von Infraschallgeräuschen.

Obwohl sie keinen Infraschall fanden, stießen sie auf etwas möglicherweise noch Interessanteres: eine niederfrequente Vokalisierung, die leise ist und sich dennoch im Bereich des menschlichen Gehörs befindet. So klingt ein Summen einer Giraffe:

Das Summen trat nur nachts mit einer durchschnittlichen Frequenz von etwa 92 Hertz auf. Zu diesem Zeitpunkt war niemand da, um die Quelle zu bestätigen, aber die Forscher sind zuversichtlich, dass diese Geräusche von Giraffen stammen. "Obwohl wir die rufenden Personen nicht identifizieren konnten, produzierten die Giraffen definitiv die aufgenommenen Geräusche, da wir ähnliche Lautäußerungen in drei verschiedenen Institutionen ohne zusätzliche Co-Housing-Arten dokumentierten", schreiben sie.

Es gibt auch kein Video zum Audio, daher bleibt unklar, was die Giraffen taten, als sie summten. Aufgrund der harmonischen Struktur und der Frequenzänderungen weisen die Forscher darauf hin, dass diese Geräusche zumindest das Potenzial haben, Informationen zu vermitteln - und somit eine Form der Kommunikation sein könnten.

Wilde Giraffen haben komplexe soziale Strukturen, wie jüngste Studien gezeigt haben, und sie scheinen in Spalt-Fusions-Gesellschaften zu leben - ein Merkmal, das auch bei Elefanten, Delfinen, Schimpansen und anderen sozialen Säugetieren zu beobachten ist, die sich zur Kommunikation äußern. Da die meisten in Gefangenschaft gehaltenen Giraffen in dieser Studie nachts vom Rest ihrer Herden getrennt waren, sagen die Autoren, dass das Summen ein Versuch sein könnte, in Kontakt zu bleiben.

Die Gesellschaft der wilden Giraffen ist komplex, aber bisher wurde das Summen nur in Zoos aufgezeichnet. (Foto: Soaring Flamingo / Flickr)

"Diese Muster liefern Hinweise darauf, dass in der Giraffenkommunikation das Summen als Kontaktanruf fungieren könnte, um beispielsweise den Kontakt zu Herdenkameraden wiederherzustellen", schreiben sie. Es ist aber auch möglich, dass die Giraffen schliefen, als sie die Geräusche machten, wie ein Psychologe, der nicht an der Studie beteiligt war, New Scientist erzählt.

"Es könnte passiv produziert werden - wie Schnarchen - oder in einem traumähnlichen Zustand - wie Menschen sprechen oder Hunde im Schlaf bellen", sagt Meredith Bashaw, Psychologieprofessorin am Franklin & Marshall College in Pennsylvania, die auch soziales Verhalten studiert hat unter Giraffen in Gefangenschaft.

Im Moment weiß niemand, warum diese Giraffen nachts summen. Weitere Forschung ist erforderlich, um zu sehen, was gefangene Giraffen tun, während sie summen, und um zu erfahren, ob ihre wilden Verwandten ähnliche Geräusche machen. Dieses neue Audio schließt nicht aus, dass Giraffen auch über Infraschall kommunizieren, so die Autoren der Studie, da andere Tiere häufig Infraschall-Signale für die Fernkommunikation verwenden. Während dies in der Savanne wahrscheinlich nützlich ist, kann es selbst im größten Zoo unnötig sein.

Dennoch scheint diese Forschung endlich zu beweisen, dass Giraffen nicht so eng sind, wie wir dachten. Und da ihre Wildpopulationen in den letzten 15 Jahren um 40 Prozent gesunken sind - ein Trend, den einige Naturschützer aufgrund ihres relativen Mangels an Publizität als "stilles Aussterben" bezeichnen - ist es jetzt wichtiger denn je, dass wir sie nicht ausschalten.

Ähnlicher Artikel